Hier entsteht Neues.
Entdecken Sie schon jetzt die „Königsberger Straße“.

Die Baugruppe „Königsberger Straße“ wird bis Ende 2022 errichtet und aus fünf Gebäuden bestehen. Es handelt sich dabei um historische Bauwerke, die auf das Museumsgelände transloziert, d. h. in einem oder mehreren Stücken versetzt werden, oder Rekonstruktionen nach historischen Vorbildern. Die Ausstellungen in den Gebäuden zeigen Wohnsituationen von konkreten Familien und übliche Arbeitsplätze. Vervollständigt wird das Ensemble durch zeittypische (Nutz-)Gärten und Einfriedungen, Straßenanlagen mit üblichen Bordsteinen, eine Telefonzelle, eine Litfaßsäule und Laternen.

Tankstelle

Viele neue Tankstellen entstanden an den Straßen in der Nachkriegszeit, um den steigenden Bedarf an Kraftstoff zu decken: Weite Teile der Bevölkerung konnten sich ein Auto oder Motorrad leisten. Der Verkehr spielte eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau und konjunkturellen Aufschwung.

Üblicherweise beauftragten Mineralölkonzerne eigene Architekten, moderne, prägnante Architekturen für ihre Tankstellen zu entwerfen, die als Typenbauten an mehreren Standorten errichtet wurden. Die standarisierten Gebäude trugen zur Erhöhung des Wiedererkennungseffekts der jeweiligen Kraftstoffmarken bei.

Für die „Königsberger Straße“ konnten wir eine ehemalige Gasolin-Tankstelle des Typs T6 erstehen, die 1955 in Stade-Campe (Landkreis Stade) errichtet wurde. Auch diese zeichnet sich durch ihre markante Bauform aus: Ein über 10m langes Flugdach liegt straßenseitig auf einer Pilzsäule und hofseitig auf einem kleinen Tankwartraum mit angeschlossenem WC auf. Nach der Übernahme von Gasolin durch Aral 1971 änderte die Tankstelle aus Stade ihre Farben von weiß-rot zu weiß-blau. Obwohl der Tankstellenbetrieb 1984 aufgegeben wurde, blieb die Tankstelle weitestgehend im erbauungszeitlichen Zustand erhalten.

Der Abbau des Bauwerks und sein Transport ins Freilichtmuseum erfolgten im Herbst 2018. Über das Jahr 2019 hinweg wurde die Tankstelle aufgestellt, detailgetreu restauriert und eingerichtet. Am 15. September 2019 wurde sie eröffnet. Nun zeigt sich das Gebäude, mit historischen Gasolin-Zapfsäulen, Beleuchtung und Reklame ausgestattet, in dem Zustand wie 1956.


Flüchtlingssiedlungshaus

Am Rande vieler Dörfer entstanden nach 1948 unzählige Neubausiedlungen für Flüchtlinge und Ausgebombte. Zum typischen Erscheinungsbild gehören die anderthalbgeschossigen Wohnhäuser mit kleinem Viehstall und Selbstversorgergarten.

Das Bauwerk wird voraussichtlich im Herbst 2020 auf das Museumsgelände versetzt. Es steht für die Linderung der Wohnungsnot sowie ein erstes „Heimischwerden“ durch den Aufbau einer neuen Existenz. In den Räumen wird eine authentische Wohnsituation der aus Ostpreußen stammenden Bewohnerfamilie dargestellt werden. Neben dem Flüchtlingssiedlungshaus wird ein Stallgebäude mit einer Sommerküche und Räucherkammer errichtet.

Schwarz-Weiß-Bild des Flüchtlingssiedlungshauses im Jahr 1960 (Bild FLMK)
Seitliche Schwarz-Weiß-Aufnahme des Flüchtlingssiedlungshauses (Bild FLMK)

Siedlungsdoppelhaus

In den von Baugenossenschaften und Siedlervereinen errichteten Neubausiedlungen der frühen 1950er Jahre sind Doppelhäuser häufig anzutreffen. In dem nach historischen Bauplänen rekonstruierten Gebäude ist das „Haus der Geschichte des Landkreises Harburg“ eingerichtet. Die Dauerausstellung im Inneren befasst sich mit der Nachkriegsgeschichte des Landkreises Harburg und der Hamburger Metropolregion. Sie veranschaulicht die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Ereignisse und Gegebenheiten im Darstellungszeitraum und stellt sie in den gesamthistorischen Kontext.

Das Siedlungsdoppelhaus wurde im Frühjahr 2020 fertiggestellt. Die Ausstellung ist zu den regulären Öffnungszeiten für Besucher geöffnet.

Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Siedlungsdoppelhauses von oben (Bild FLMK)

Ladenzeile

Sich nach den Zeiten der Not wieder etwas leisten, moderne Produkte konsumieren – die neue Warenwelt des „Wirtschaftswunders“ hielt schnell Einzug in Läden und Schaufenster. In dem nach historischen Bauplänen eines Geschäftshauses aus Meckelfeld zu rekonstruierenden Gebäude werden sechs ehemalige Geschäftseinrichtungen gezeigt: Drogerie, Friseursalon, Elektroladen mit Werkstatt, Schlachterei, Zahnarztpraxis und ein Fotogeschäft. In einer Hofgarage werden zudem historische PKWs präsentiert.

Das Geschäftshaus befindet sich derzeit im Bau. Die Eröffnung des Gebäudes ist für den Sommer 2022 geplant.

Schwarz-Weiß-Aufnahme mehrerer Läden (Bild FLMK)
Schwarz-Weiß-Aufnahme von Drogerie Rotermund in Sprötze (Bild FLMK)

QUELLE-Fertighaus

Im Jahr 1962 nahm die Versandfirma Quelle Fertighäuser, die durch ihre eigene Projektabteilung entwickelt wurden, in das Sortiment auf. Die Gebäude zeichnen sich durch eine moderne Form, funktionale Grundrisse und eine kurze Bauzeit aus und spiegeln den Einfluss US-amerikanischer Bungalow-Architektur auf die bundesdeutsche Wohnkultur wider. Im zu translozierenden Fertighaus mit knapp 110 m2 Wohnfläche wird dieser Wandel deutlich: Das „Wohnerlebnis“ und ein gestalterischer Anspruch stehen nun im Mittelpunkt.

Das Gebäude aus dem Jahr 1966 wurde im Sommer 2019 vom Originalstandort in Winsen (Luhe) transloziert. Bis zum Sommer 2021 wird es restauriert und wie in den 1970er Jahren eingerichtet. Außerdem wird der Freizeitgarten unter Verwendung von Originalbausubstanz weitgehend rekonstruiert.

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